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ICH - Individual Coaching Humaniversity
Doch bei genauerem Hinsehen und Rückerinnerungen an meine Kindheit und frühe Jugend viel mir Folgendes auf. Ich bin Jahrgang 1949, genau so alt wie die Bundesrepublik Deutschland und ich erinnere mich wie mein Vater, der mit 18 Jahren zum Militär und kurz danach in den Krieg gehen musste, über diesen Krieg sprach. Er war zum Fallschirmjäger ausgebildet worden und er erzählte mir dass er mit seiner Einheit mehrere Male auf Kreta und in Nordafrika direkt in feindliches Feuer abgesprungen sei. Er sprach nie über Details oder Ängste. Wenn ich nach fragte, ob das denn nicht schlimm war für ihn, kam zur Antwort, das war halt so, man hatte keine andere Wahl, Zeit für Angst hat es da nicht gegeben. Für mich klang es so, als spräche er von Heldentaten. Ich hörte auch niemals Worte des Bedauerns über das Geschehene, weder zum Krieg noch zur Judenverfolgung. Eine Verherrlichung konnte ich aber auch nicht erkennen. Aber jetzt in der Rückschau stelle ich fest, dass er es nicht Aufarbeiten konnte. Es gab zwar Anzeichen, dass ihn etwas beschäftigte, aber er fühlte sich von seinem Umfeld, seiner Familie immer unverstanden. In dieser Zeit gab es weder Unterstützung von außen, noch ein Bewusstsein dafür sich mit dem vergangen sinnlosen Krieg oder der Judenverfolgung auseinander zu setzen. Ich habe keine Erinnerung daran, dass sich mein Vater, meine Mutter oder andere erwachsene Personen aus meinem Umfeld, die die Nazizeit erlebt und überlebt haben, jemals kritisch und offen damit auseinandergesetzt hätten. Durch mein Interesse an Psychologie, Selbsterfahrung und durch meine Ausbildung zum NLP Coach weiß ich, dass diese mehr oder weniger verdrängten Erlebnisse, im Unterbewusstsein ihre Spuren hinterlassen und das Leben der betroffenen Menschen beeinflussen. Das sicher auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Mein Vater zum Beispiel, ist daran zerbrochen, er wurde zum Alkoholiker, tyrannisierte zeitweise seine Familie und starb mit 55 Jahren im Alkoholrausch fern und getrennt von deiner Familie. Andere haben ihre Erfahrungen anders weitergeben an ihre Kinder, Auszubildenden (damals noch Lehrlinge) und Kollegen, meistens jedoch unbewusst. Von einer bewussten oder offenen Auseinandersetzung im privaten Umfeld oder auch im öffentlichen Bereich habe ich keine Kenntnis. Dies soll auch kein Vorwurf sein an diese Menschen schon gar nicht an meinen Vater, im Gegenteil. In Anbetracht der Tatsache, dass es so gut wie keine Angebote gab, zum Beispiel zur Bewältigung posttraumatischer Belastungsstörungen, die damals noch nicht erfunden waren, ist Verdrängung um mit schlimmen Erlebnissen fertig zu werden, nicht verwunderlich. Zugegeben es gab damals schon Sigmund Freud und C.G. Jung und die Psychoanalyse, die vielleicht dem einen oder Anderen hätte helfen können. Aber bei der Durchschnittsbevölkerung herrschte damals die Meinung vor „wer einen Seelenklempner braucht, der ist verrückt und das bin ich nicht“. Übrigens auch heute noch recht weit verbreitet Geisteshaltung. So und jetzt haben wir den Salat. Keiner hat sich darum gekümmert, die faschistischen Ideen, die Rassenvorurteile, das Groß- deutsche Reich wabert unbearbeitet im Volkssumpf (dem kollektiven Unterbewusstsein) unbeachtet weiter. Aber es arbeitet trotzdem und es wird bewusst oder unbewusst weitergeben, in de Erziehung der Kinder, als Lebensweisheiten, als Ressentiments, als Erfahrung, als stille oder unaussprechliche Gewissheit, als Vermutungen und Vorurteile. Plötzlich taucht da jemand auf, der das Alles ganz laut und ohne Scham ausspricht. Toll, also ist da doch etwas dran, endlich können wir wieder sagen was wir schon lange zu wissen glauben. Wir sind doch keine Nazis….aber man wird doch mal sagen dürfen, was wahr ist und dass wir als Volk von Fremden unterwandert werden. Wahr ist, dass was Jahrzehnte lang unter dem Topfdeckel versteckt und unbearbeitet war, macht sich jetzt explosionsartig und unreflektiert Luft. Das Zauberwort ist „unreflektiert“. Den nur diese Unreflektiertheit führt zu solchen überschießenden Reaktionen und Hassausbrüchen. Würde man wirklich versuchen zu reflektieren, das heißt zu hinterfragen, warum tue ich das, stimmt das was ich da sage. Zum Beispiel könnte man sich fragen: „Können ein paar tausend Migranten überhaupt so einen Schaden wie es behauptet wird, anrichten?“ „Hat es denn nicht schon immer Völkerwanderungen, Flucht und Vertreibung gegeben und hat es der Menschheit je geschadet?“ „Wovor habe ich wirklich Angst?“ „Ist das noch ein christliches Land oder schlagen wir jetzt jemand ans Kreuz?“ „Hat das was wir gegen fremde Menschen unternehmen noch etwas mit Kultur, Nächstenliebe oder Menschlichkeit zu tun?“ „Möchte ich so in einem fremden Land behandelt werden auf dessen Gastfreundschaft ich angewiesen bin?“ „Kann ich denn meine Probleme lösen in dem ich andere dafür verantwortlich mache?“ „Oder tue ich das nur weil ich mich nicht bewegen/verändern will?“ Schaut man in der Geschichte der Menschheit zurück auf frühere Kulturen, dann sind sie immer dann untergegangen, wenn es ihnen sehr gut ging und sie sich der Veränderung dem Wandel nicht mehr anpassen konnten oder wollten.
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